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Vollständige Version anzeigen : Schwarmgeschichten


Alana
04.10.2007, 15:09
Hallo ihr Vogelhalter,


erzählt doch mal, was bei euch so im Schwarm abgeht. Was haben eure Vögel für Eigenheiten, mit denen sie euch zum Lachen oder alternativ auch zum Wahnsinn bringen?

Ich erzähle hier nun einfach einmal von meinem Sittichschwarm, derzeit bestehend aus 11 Nymphensittichen und 5 Wellensittichen. Die größte, fliegende Katastrophe in diesem Schwarm ist Rigo, ein Schecke, der seit über zwei Jahren meine Nervenstärke auf die Probe stellt. Rigo habe ich aus dem Tierheim, er wurde als zugeflogen gemeldet. Da er ohne Ring unterwegs war, ist eine Altersbestimmung schwierig. Anhand der damaligen Größe und des Kindergesichts und der Tatsache, daß er gerade erst anfing, sich im Balzen zu üben, habe ich ihn auf ca. ein halbes Jahr geschätzt. Warum er "zugeflogen" ist, konnte ich mir recht schnell vorstellen. Rigo ist eine Schwatzbase und eine Nervensäge hoch zehn. Dieser Nymph alleine gehalten - der bringt einen um den Verstand. Er ist ein ganz typischer Hahn, klopft an allem herum, pfeift und balzt und hat einen riesigen Spaß daran, alles mögliche zu imitieren. Er ist wohl recht intelligent, denn neben seinem eigenen Balzruf beherrscht er mittlerweile auch die meiner anderen Hähne. Mal benutzt er diese einzeln, was mich auch nach zwei Jahren Rigoletto-Erfahrung noch immer wieder verwirrt, oder er bastelt sich daraus seine eigenen, neuen Melodien. Vom weiblichen Geschlecht wollte er bis vor kurzem nicht wirklich etwas wissen oder sagen wir so - er hat alles angebaggert, was nicht bei drei auf dem Baum war. Mittlerweile scheint er sich aber für Pia entschieden zu haben, meine dunkelolivfarbene Nymphenhenne. Was sie, die sich normalerweise "für etwas Besseres" hält, an diesem windigen Burschen findet, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Rigo ist alles, aber kein "fürsorglicher" Hahn. Die ganzen Zuneigungsgesten spart er sich für seinen Kumpel Oscar auf. Er will, obwohl mit über 2 Jahren nun wirklich erwachsen, von den Hennen nur das eine. Dauerpubertierendes Kerlchen, aber echt ...

So nervtötend Rigo auch sein kann, ohne ihn wär's wirklich langweilig im Schwarm. Er ärgert so ziemlich alle anderen Nymphen mit Schwanzziehen, Familienplanung unterbrechen, Balzrufe klauen oder auch mal anderer Hähne Hennen besteigen, aber irgendwie kann ihm keiner so wirklich böse sein. Wagt ein anderer Hahn dieselben Schandtaten, kann ich sicher sein, der wird gejagt und gerupft und so in den Senkel gestellt, daß er irgendwann ziemlich aufgeplustert auf dem Volierenboden sitzt und die weiße Fahne schwenkt. Aber nicht so Rigo. Der wird höchstens mal ungnädig angefaucht.

Beim Freiflug ist Rigo ein absoluter Künstler. Von allen meinen Nymphen ist er der mit Abstand beste Flieger, manövriert millimetergenau und hat die größte Freude an den wildesten Flugspielen. Er saust nur Zentimeter überm Fußboden dahin, um dann im Steigflug nach oben zu schießen und sich kopfunter an die Lampe anzudocken. Ganz besonderen Spaß hat er daran, dumm im Weg herumstehende Zweibeiner "abzuschießen". Was mir dieser kleine Mistkäfer schon für Scheitel gezogen hat .... Auch Bruchlandung zwischen den Teedosen gehört zu seinen Spezialitäten. Anfangs dachte ich ja noch, er hat sich verpeilt, aber nachdem ich nun schon mehrmals gesehen habe, wie er Maß nimmt, durchs Wohnzimmer im Hochgeschwindigkeitsflug schießt, um dann mitten in meinen Teedosen zu landen, da nehm ich ihm das mit dem "hoppla, verpeilt" nicht mehr ab. Was man vermeiden sollte, ist Rigo gemeinsam mit Caruso zu Flugspielen aufzufordern. Die Beiden leben im ständigen Wettbewerb, wer von ihnen der bessere Flieger ist. Da kann man nur noch in Deckung gehen, da gilt "wehe, wenn sie losgelassen". Mein Glück ist nur, daß Caruso eine stinkend faule Socke ist, der ewig braucht, bis er sich mal zum fliegen aufrafft.

Alana
05.10.2007, 12:09
Das Katastrophentrio meines Schwarms besteht aus den drei Hähnen Caruso, Iskador und Poldi. Poldi und Iska wurden vor einigen Jahren abgegeben, da der Vermieter der Vorbesitzerin die Lautstärke der beiden nicht mehr tolerieren wollte. Es stellte sich sehr schnell heraus, warum die Beiden ständig am Brüllen waren - es sind zwei Hähne. Leider hat Iska seiner Vorbesitzerin nicht den Gefallen getan, sich zu outen. Da er ein Lutino ist, kann das Geschlecht nur über eine DNA-Analyse oder über das Verhalten festgestellt werden. Und welcher Privathalter ohne Zuchtgedanken läßt schon die DNA seines Nymphen untersuchen. Würde ich auch nicht tun. Iska benahm sich bei der Vorbesitzerin jedenfalls nicht typisch für einen Hahn und wurde deshalb als Henne angesehen. Kaum war er allerdings in meiner Voliere ging das Balzen los. Und damit war klar, warum er und Poldi sich nie so wirklich gut verstanden haben. Poldi, ein naturfarbener Hahn, ist einer der dominanten Sorte. Sehr aggressiv, erst dann zufrieden, wenn er Chef im Ring ist. Er hat sich anfangs einige wüste Auseinandersetzungen mit meinem bisherigen Chefhahn Brain geliefert. Die zwei sind sich nichts schuldig geblieben, Braini mußte nur aufgeben, weil er kleiner ist als Poldi und gegen die körperliche Übermacht irgendwann nicht mehr ankam.

Caruso ist ein Berliner Abgabevogel, er kam gemeinsam mit Penny. Der Grund der Abgabe ist etwas ungenau, die Lautstärke von Herrn Caruso dürfte aber mit schuld gewesen sein. Den Namen Caruso hat er von mir verpaßt bekommen, weil er alles tat, aber nicht balzen. Obwohl schon lange geschlechtsreif, benahm er sich über zwei Jahre wie ein Jungvogel. Irgendwann fing er das Balzen an, ist aber bis heute einer der Hähne, die sich nicht durch ein besonders aussagekräftiges Verhalten hervortun. Da er Schecke ist, kann man bei ihm das Geschlecht ebenfalls nur über das Verhalten erkennen.

Fragt mich nicht, wie es dazu kam, aber heute bilden Poldi, Iska und Caruso ein "Trio infernale". Sie teilen sich denselben Schlafast, kraulen sich gegenseitig und sind auch sonst fast nur zu dritt irgendwo anzutreffen. Poldi und Caruso interessieren sich nicht für Hennen, Iska hat eine "On-Off-Beziehung" mit Polly.

Er ist im übrigen "schuld" daran, daß ich keine weiteren "undefinierbaren" Nymphen mehr in meinen Schwarm aufnehme. Das Geschlechterverhältnis ist mit 7 Hähnen und 4 Hennen ohnehin schon unausgeglichen, wenn da jetzt ein weiterer, nur über Vererbung, DNA oder Verhalten festzustellender Farbschlag dazu kommt und sich beim Vorbesitzer erfolgreich vielleicht sogar über Jahre getarnt hat, kann mir das das ganze Schwarmgefüge über den Haufen werfen. Das Risiko gehe ich nicht ein.

Achja, das Lautstärkeproblem ... das hat sich völlig in Luft aufgelöst. Natürlich gibt es am Tag zwei oder drei Phasen, in denen die Herrschaften etwas lauter sind, aber dieses nervenzerfetzende Geschrei, für das Nymphensittiche leider berüchtigt sind, das habe ich nicht. Schwarmhaltung sei dank.

Alana
25.11.2007, 10:27
Und dann gibt es noch den Nymphen, mit dem alles angefangen hat. Brain, ein wildfarbener Heidelberger Züchternymph. Sowas passiert, wenn man sich in einem Nymphensittichforum herumtreibt, irgendwann sagt man "ok, ich hab ohnehin schon Federvieh, warum dann nicht noch ein Nymphensittichpärchen." Und so zogen eines schönen Tages Pinky und Brain ein. Wie das Schicksal so spielt, merkte ich schnell, daß die Beiden zwar zusammen aufgewachsen sind, aber von Paarbildung nicht so wirklich viel halten. Somit wurde der Schwarm sehr schnell um Finn und Polly erweitert. Zu diesem Zeitpunkt ergaben sich dann auch zwei meiner Nymphensittichprioritäten - die Weiber sind wildfarben und die Namen beginnen mit "P". Pinky und Polly sind auf den ersten Blick nur schwer auseinander zu halten. Polly ist etwas dunkler und hat die Haube nach unten gebogen, während Pinky ein etwas fleckiges Grau im Gefieder hat und keine wirklich schöne Haube. Aber Finn mag sie trotzdem. Er und Pinky sind seit ihrer Geschlechtsreife verpaart. Mein einziges, richtig festes Paar, das sich auch nicht anders entscheiden will.

Finn ist ein sehr ruhiger, silbergeperlter Nymph. Ihn hört man höchstens einmal klopfen, balzen tut er kaum. Warum auch - er hat ja seine Henne. Pinky ist nymphentypisch ebenfalls sehr ruhig und unauffällig.

Brain ist ein kleiner Angeber, er balzt für sein Leben gern und will sich auch nicht wirklich für eine Henne entscheiden. Mal sieht man ihn mit Polly, mal mit Penny, manchmal auch mit Pia. Da soll noch einer durchblicken. Er ist neugierig und immer vorne dran, wenn es etwas neues zu entdecken gibt. Er hat auch keine Angst vor Menschen, obwohl er nicht wirklich als zahm zu bezeichnen ist. Auf die Hand kommt er nur, wenn er das möchte - sprich, wenn ihm beim Freiflug die Puste ausgeht oder er mal gucken will, was das komische Zweibein da beim Volierenputz eigentlich anstellt. Singen tut er für sein Leben gern. Er ist ähnlich wie Rigo ein Imitationskünstler, allerdings vergreift er sich nicht an arteigenem Liedgut wie der gescheckte Katastrophennymph, sondern pickt sich anderes heraus. Handyklingeln, Werbejingles, einprägsame Melodiefetzen. Das "Underberg"-Motiv beherrscht er jedenfalls im Schlaf, genauso wie die "Miss Marple"-Melodie. Ganz verrückt im positiven Sinn wird er, wenn ich JJ Cale höre. Dann steppt er auf seinem Ast hin und her und legt eine "One-Nymph-Show" hin.

Polly ist meine weibliche Flugkünstlerin. Wenn jemand ein ganz typisches Hennenverhalten hat, dann sie. Von "Engelchen" bis geduckter Aufforderungshaltung - Polly zeigt alles. Außerdem ist sie das, was man als "neugierige Nachbarin" bezeichnen kann. Ihr Platz ist am Volierengitter, wo sie alles und jeden im Blick hat. Ein Warnruf von ihr und die ganze Mannschaft startet durch.





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