Alana
28.03.2006, 09:30
Aus gegebenem Anlaß. Copyright liegt bei mir, wer möchte, kann die Datei von mir erhalten und als Flyer verwenden.
Wenn ihr Aktionen zum Thema wißt, bitte schreibt hier darüber.
Viele Grüße,
Alana
Osterkaninchen - nein, danke
Jedes Jahr bietet sich in Zoohandlungen, tierführenden Gartenbedarfs- oder Baumärkten dasselbe Bild. Kurz vor Ostern tummeln sich in den Ausstellungskäfigen besonders kleine, besonders niedliche und besonders viele Kaninchen.
Viele Geschäfte werben noch mit Sonderaktionen zu Ostern, man kann z. B. Käfige mit einigen Futtermitteln als Paket erwerben oder es gibt ganze Futterkisten mit allen möglichen, das menschliche Auge ansprechenden Leckereien für die süßen kleinen Kaninchen.
Manchmal werden auch Bücher zum Tier so aufgestellt, dass sie dem Kunden ins Auge stechen.
Eines jedoch sieht man nirgends – Informationen über die Tiere selbst. Die Tiere sind die beste Werbung, kaum einer kann an den Käfigen und Glaskästen vorbeigehen, ohne einen Blick auf die herzigen Jungtiere zu werfen. Viele bleiben stehen und jedes Jahr lassen sich unzählige Eltern erweichen und schenken ihren Kindern solch ein lebendiges Ostergeschenk. Und auch mancher Erwachsene kann nicht widerstehen und kauft sich ein solches „Geschenk“.
Damit ist das Ziel der Geschäfte erreicht. Umsatz. Gewinn. Kein Angestellter wird sich erlauben, die Kunden kritisch auf Eigenheiten der Tiere aufmerksam zu machen. Kaninchen haftet seit Jahren das Klischee des problemlosen, anspruchslosen Einsteigertiers für Kinder an und dieses Klischee wird gerade zu Ostern so schamlos wie sonst im ganzen Jahr nicht ausgenutzt.
Und entsprechend schnell können sich die hohen Erwartungen ins Gegenteil verkehren, wenn das ersehnte Kuschelkaninchen, der heiß gewünschte, pelzige Freund sich als so ganz anders wie vom Zoohandel versprochen, entpuppt.
Kaninchen und Kinder sind ohnehin eine sehr schwierige Konstellation. Kaninchen sind dämmerungsaktive, territoriale Rudeltiere, keine anschmiegsamen, stets bereiten Kuscheltiere. Es gibt daher ohnehin schon genügend Probleme, wenn Kinder Kaninchen halten. Aber zu Ostern werden die Erwartungen ins Maßlose geschraubt. Es erfolgen seitens des Handels keinerlei Hinweise darauf, dass Kaninchen weder einzeln noch mit einem Meerschweinchen als Partner gehalten werden sollen, es wird nicht darauf hingewiesen, dass Heu die Hauptnahrung ist, die Tiere immensen Platzbedarf haben und schon gar nicht wird darauf hingewiesen, dass Kaninchen es überhaupt nicht mögen, wenn man sie auf den Arm nimmt.
Die Zulieferer des Zoohandels, seien es Züchter oder Vermehrer, geben zu Ostern besonders junge Tiere in den Verkauf. Der Grund ist klar – in einem Alter von 3-6 Wochen sehen Kaninchenkinder einfach unschlagbar niedlich aus. Sie sind gerade mal so groß, dass sie in eine Hand passen, alles ist rund, weich, kuschelig. Selbst kurzhaarige Kaninchenrassen haben in diesem Alter ein flauschiges Babyfell und kaum jemand kann dem Blick aus großen Kaninchenkinderknopfaugen widerstehen.
Bei all dem wird nur zu gern unterschlagen, dass so junge Kaninchen eigentlich noch gar nicht fähig sind, alleine zu leben. Sie benötigen zwar keine Muttermilch mehr, da sie normalerweise nur bis zur vierten Woche gesäugt werden, aber sie haben noch eine äußerst empfindliche Verdauung, die durch jede Veränderung so massiv durcheinander kommen kann, dass das kleine Wesen an den auftretenden Verdauungsstörungen sterben kann! Auch sind die kleinen Kaninchen in diesem Alter noch kaum sozialisiert. Sie konnten von Mutter und Geschwistern noch kaum etwas lernen. Natürlich sind diese Tiere ganz besonders empfänglich für alle Arten von Zuwendung, so dass sie sehr schnell sehr anhänglich werden. Aber diese Tiere sind keine stabilen Kaninchen, sondern fehlgeprägte, bemitleidenswerte, oft in ihrer ganzen Entwicklung behinderte Wesen, deren Produktion man keinesfalls durch Kauf unterstützen sollte.
Auch wird so gut wie nie beim Kauf erwähnt, dass so ein Kaninchenkind innerhalb weniger Wochen in die Geschlechtsreife kommt und dann anfängt, seinen ganz eigenen Charakter zu entwickeln. Dann ist da kein süßes, wehrloses, kuscheliges Kaninchenkind mehr, sondern ein potenter Kaninchenteenager, der seine Grenzen austestet. Sehr oft führt dann der Weg des einstigen Ostergeschenkes schon zu Pfingsten, spätestens aber dann, wenn der Sommerurlaub ansteht, in die „Verbannung“. Sprich, das Tier landet in einer Ecke, wo es nicht stört und nichts anstellen kann, wird im Tierheim abgegeben, über eine Annonce verschenkt oder gar ausgesetzt.
Überlegen Sie sich also vorher sehr genau, ob Sie der richtige Mensch für Kaninchen als Haustiere sind. V. a. wenn Ihr Kind mit Kaninchen beschenkt werden soll. Kein Kind ist in der Lage, permanent für ein Tier zu sorgen. Die Hauptverantwortung liegt IMMER, das ganze Tierleben lang, in Ihren Händen!
Kaninchen können über 10 Jahre alt werden, das ist eine lange Zeit. Die ganze Zeit muß gewährleistet sein, dass die Tiere gut gehalten werden. Das ist eine sehr zeit- und auch geldintensive Aufgabe und man sollte sich vorher darüber im Klaren sein, dass man sich ein lebendes Wesen mit Gefühlen, Ängsten, Schmerzen und einer uns nicht immer klar verständlichen Sprache ins Haus holt. Das Tier hat keinerlei Entscheidungsmöglichkeit, ob es nun zu Ihnen, zu mir oder sonst wohin kommt. Es ist uns in allem völlig ausgeliefert und auf unseren guten Willen, Lernbereitschaft und Sachverstand angewiesen.
Bitte bedenken Sie, dass Kaninchen kein Spielzeug sind, das man in eine Ecke stellen kann, wenn man es nicht mehr braucht. Kaninchen brauchen mehrmals täglich Futter, sie wollen beschäftigt werden, sonst suchen sie sich ihre Ablenkung selbst. Da muß dann unter Umständen die Tapete bis in einen Meter Höhe dran glauben, auch Teppiche, Polstermöbel, Sockelleisten und Kabel sind nicht vor dem Entdeckungsdrang von Kaninchen sicher. Natürlich kann man nun sagen, okay, dann bleiben die Tiere eben im Käfig. Auf die Art geschieht der Wohnung nichts, aber möchten Sie Ihr ganzes Leben nur in der beengten Welt eines Käfigs leben?
Kaninchen werden auch krank, die Behandlungskosten übersteigen den Anschaffungswert schnell um ein Vielfaches. Sie müssen bereit und auch in der Lage sein, dies für Ihre Tiere zu bezahlen.
Kaninchen müssen sauber gehalten werden, sonst gerät der Käfig mit der Einstreu schnell zur Geruchsbelästigung. Diese Arbeit ist nicht angenehm, aber sie muß regelmäßig, wenigstens einmal wöchentlich getan werden. Ein ganzes Kaninchenleben lang, ohne Ausnahme!
Wer Kaninchen halten will, darf nicht empfindlich sein. Kaninchen lassen sich nicht erziehen wie Hunde, sie sind nicht so anschmiegsam wie Katzen. Sie werden nicht immer stubenrein und sie verstehen ganz gewiß nichts von menschlichen Wertvorstellungen. Wenn wir Glück haben, sehen sie in uns eine Art größeres, ungeschicktes Nacktkaninchen und behandeln uns wie ihresgleichen. Wenn wir Pech haben, sehen sie in uns einen Feind und halten entweder Abstand oder greifen an, um ihr vermeintlich gefährdetes Leben zu schützen.
Da Menschen beide Augen vorne haben, ähneln wir in Kaninchenaugen Raubtieren, da diese dieselbe Augenstellung haben. Es ist also nicht weiter verwunderlich, wenn Kaninchen anfangs zurückhaltend auf Menschen reagieren.
Dasselbe gilt auch für das Hochheben. Ein Kaninchen, das unvermittelt hochgehoben wird, erhält den Eindruck, in den Krallen eines Raubtieres gelandet zu sein und wird sich entsprechend heftig zur Wehr setzen. Es kann nicht unterscheiden, ob jetzt der Mensch, der nur Gutes will, hochhebt oder ob da nicht doch ein hungriger Raubvogel zugange ist. Man sollte also einem Kaninchen nicht allzu oft den festen Boden unter den Füßen wegnehmen.
Es kann sehr lange dauern, bis ein Kaninchen Vertrauen fasst. Eine meiner Häsinnen lebt seit sie ein Jungtier war bei mir. Sie ist jetzt 6 Jahre alt und erst jetzt, nach 6 Jahren, legt sie ihre Scheu mir gegenüber ab. Andere Kaninchen wie z. B. mein großes Stallkaninchen Samson brauchen dafür zwei Tage.
Und auch, wenn Kaninchen zutraulich sind, so bleiben sie doch ein Stück weit immer unberechenbare, nicht einschätzbare Tiere. Ein unbedachter Mensch kann sich so schnell böse Kratzwunden zuziehen oder gar gebissen werden. Dahinter steckt nicht immer Aggressivität oder Verteidigungsbereitschaft des Tieres, oft ist es einfach ein Versehen. Kaninchen sehen nicht besonders gut, da verwundert es nicht, wenn sie schon mal herzhaft in einen nach Karotte riechenden Finger beißen oder vor lauter Eile die fütternde Hand zerkratzen.
Um Kaninchen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen, gilt zu jeder Jahreszeit, besonders aber zu den vom Handel geschickt inszenierten Geschenkfesten Ostern und Weihnachten:
Keine Tiere, sondern Informationen schenken !!!!!
Machen Sie sich und Ihrer Familie in aller Ruhe klar, was es heißen wird, Kaninchen als Familienmitglieder zu haben. Informieren Sie sich umfassend, sprechen Sie mit langjährigen Haltern, fragen sie bei Tierärzten und in Tierheimen nach.
Lassen Sie sich nicht durch die dunklen Knopfaugen der Kaninchenkinder zu Ostern in den Zoohandlungen zu einem überstürzten Kauf verleiten.
Sind Sie sich schließlich sicher, dass Kaninchen genau die Tiere sind, mit denen sie ihr Leben teilen wollen, schauen Sie doch einmal in den Tierheimen in Ihrer Gegend nach. In erschreckend zunehmendem Maße warten dort Kaninchen aller Größen, Farben und Altersstufen auf ein neues, dauerhaftes Zuhause. Wie viele von ihnen waren wohl einmal Osterkaninchen und konnten den in sie gesetzten Erwartungen nicht gerecht werden?
Wenn ihr Aktionen zum Thema wißt, bitte schreibt hier darüber.
Viele Grüße,
Alana
Osterkaninchen - nein, danke
Jedes Jahr bietet sich in Zoohandlungen, tierführenden Gartenbedarfs- oder Baumärkten dasselbe Bild. Kurz vor Ostern tummeln sich in den Ausstellungskäfigen besonders kleine, besonders niedliche und besonders viele Kaninchen.
Viele Geschäfte werben noch mit Sonderaktionen zu Ostern, man kann z. B. Käfige mit einigen Futtermitteln als Paket erwerben oder es gibt ganze Futterkisten mit allen möglichen, das menschliche Auge ansprechenden Leckereien für die süßen kleinen Kaninchen.
Manchmal werden auch Bücher zum Tier so aufgestellt, dass sie dem Kunden ins Auge stechen.
Eines jedoch sieht man nirgends – Informationen über die Tiere selbst. Die Tiere sind die beste Werbung, kaum einer kann an den Käfigen und Glaskästen vorbeigehen, ohne einen Blick auf die herzigen Jungtiere zu werfen. Viele bleiben stehen und jedes Jahr lassen sich unzählige Eltern erweichen und schenken ihren Kindern solch ein lebendiges Ostergeschenk. Und auch mancher Erwachsene kann nicht widerstehen und kauft sich ein solches „Geschenk“.
Damit ist das Ziel der Geschäfte erreicht. Umsatz. Gewinn. Kein Angestellter wird sich erlauben, die Kunden kritisch auf Eigenheiten der Tiere aufmerksam zu machen. Kaninchen haftet seit Jahren das Klischee des problemlosen, anspruchslosen Einsteigertiers für Kinder an und dieses Klischee wird gerade zu Ostern so schamlos wie sonst im ganzen Jahr nicht ausgenutzt.
Und entsprechend schnell können sich die hohen Erwartungen ins Gegenteil verkehren, wenn das ersehnte Kuschelkaninchen, der heiß gewünschte, pelzige Freund sich als so ganz anders wie vom Zoohandel versprochen, entpuppt.
Kaninchen und Kinder sind ohnehin eine sehr schwierige Konstellation. Kaninchen sind dämmerungsaktive, territoriale Rudeltiere, keine anschmiegsamen, stets bereiten Kuscheltiere. Es gibt daher ohnehin schon genügend Probleme, wenn Kinder Kaninchen halten. Aber zu Ostern werden die Erwartungen ins Maßlose geschraubt. Es erfolgen seitens des Handels keinerlei Hinweise darauf, dass Kaninchen weder einzeln noch mit einem Meerschweinchen als Partner gehalten werden sollen, es wird nicht darauf hingewiesen, dass Heu die Hauptnahrung ist, die Tiere immensen Platzbedarf haben und schon gar nicht wird darauf hingewiesen, dass Kaninchen es überhaupt nicht mögen, wenn man sie auf den Arm nimmt.
Die Zulieferer des Zoohandels, seien es Züchter oder Vermehrer, geben zu Ostern besonders junge Tiere in den Verkauf. Der Grund ist klar – in einem Alter von 3-6 Wochen sehen Kaninchenkinder einfach unschlagbar niedlich aus. Sie sind gerade mal so groß, dass sie in eine Hand passen, alles ist rund, weich, kuschelig. Selbst kurzhaarige Kaninchenrassen haben in diesem Alter ein flauschiges Babyfell und kaum jemand kann dem Blick aus großen Kaninchenkinderknopfaugen widerstehen.
Bei all dem wird nur zu gern unterschlagen, dass so junge Kaninchen eigentlich noch gar nicht fähig sind, alleine zu leben. Sie benötigen zwar keine Muttermilch mehr, da sie normalerweise nur bis zur vierten Woche gesäugt werden, aber sie haben noch eine äußerst empfindliche Verdauung, die durch jede Veränderung so massiv durcheinander kommen kann, dass das kleine Wesen an den auftretenden Verdauungsstörungen sterben kann! Auch sind die kleinen Kaninchen in diesem Alter noch kaum sozialisiert. Sie konnten von Mutter und Geschwistern noch kaum etwas lernen. Natürlich sind diese Tiere ganz besonders empfänglich für alle Arten von Zuwendung, so dass sie sehr schnell sehr anhänglich werden. Aber diese Tiere sind keine stabilen Kaninchen, sondern fehlgeprägte, bemitleidenswerte, oft in ihrer ganzen Entwicklung behinderte Wesen, deren Produktion man keinesfalls durch Kauf unterstützen sollte.
Auch wird so gut wie nie beim Kauf erwähnt, dass so ein Kaninchenkind innerhalb weniger Wochen in die Geschlechtsreife kommt und dann anfängt, seinen ganz eigenen Charakter zu entwickeln. Dann ist da kein süßes, wehrloses, kuscheliges Kaninchenkind mehr, sondern ein potenter Kaninchenteenager, der seine Grenzen austestet. Sehr oft führt dann der Weg des einstigen Ostergeschenkes schon zu Pfingsten, spätestens aber dann, wenn der Sommerurlaub ansteht, in die „Verbannung“. Sprich, das Tier landet in einer Ecke, wo es nicht stört und nichts anstellen kann, wird im Tierheim abgegeben, über eine Annonce verschenkt oder gar ausgesetzt.
Überlegen Sie sich also vorher sehr genau, ob Sie der richtige Mensch für Kaninchen als Haustiere sind. V. a. wenn Ihr Kind mit Kaninchen beschenkt werden soll. Kein Kind ist in der Lage, permanent für ein Tier zu sorgen. Die Hauptverantwortung liegt IMMER, das ganze Tierleben lang, in Ihren Händen!
Kaninchen können über 10 Jahre alt werden, das ist eine lange Zeit. Die ganze Zeit muß gewährleistet sein, dass die Tiere gut gehalten werden. Das ist eine sehr zeit- und auch geldintensive Aufgabe und man sollte sich vorher darüber im Klaren sein, dass man sich ein lebendes Wesen mit Gefühlen, Ängsten, Schmerzen und einer uns nicht immer klar verständlichen Sprache ins Haus holt. Das Tier hat keinerlei Entscheidungsmöglichkeit, ob es nun zu Ihnen, zu mir oder sonst wohin kommt. Es ist uns in allem völlig ausgeliefert und auf unseren guten Willen, Lernbereitschaft und Sachverstand angewiesen.
Bitte bedenken Sie, dass Kaninchen kein Spielzeug sind, das man in eine Ecke stellen kann, wenn man es nicht mehr braucht. Kaninchen brauchen mehrmals täglich Futter, sie wollen beschäftigt werden, sonst suchen sie sich ihre Ablenkung selbst. Da muß dann unter Umständen die Tapete bis in einen Meter Höhe dran glauben, auch Teppiche, Polstermöbel, Sockelleisten und Kabel sind nicht vor dem Entdeckungsdrang von Kaninchen sicher. Natürlich kann man nun sagen, okay, dann bleiben die Tiere eben im Käfig. Auf die Art geschieht der Wohnung nichts, aber möchten Sie Ihr ganzes Leben nur in der beengten Welt eines Käfigs leben?
Kaninchen werden auch krank, die Behandlungskosten übersteigen den Anschaffungswert schnell um ein Vielfaches. Sie müssen bereit und auch in der Lage sein, dies für Ihre Tiere zu bezahlen.
Kaninchen müssen sauber gehalten werden, sonst gerät der Käfig mit der Einstreu schnell zur Geruchsbelästigung. Diese Arbeit ist nicht angenehm, aber sie muß regelmäßig, wenigstens einmal wöchentlich getan werden. Ein ganzes Kaninchenleben lang, ohne Ausnahme!
Wer Kaninchen halten will, darf nicht empfindlich sein. Kaninchen lassen sich nicht erziehen wie Hunde, sie sind nicht so anschmiegsam wie Katzen. Sie werden nicht immer stubenrein und sie verstehen ganz gewiß nichts von menschlichen Wertvorstellungen. Wenn wir Glück haben, sehen sie in uns eine Art größeres, ungeschicktes Nacktkaninchen und behandeln uns wie ihresgleichen. Wenn wir Pech haben, sehen sie in uns einen Feind und halten entweder Abstand oder greifen an, um ihr vermeintlich gefährdetes Leben zu schützen.
Da Menschen beide Augen vorne haben, ähneln wir in Kaninchenaugen Raubtieren, da diese dieselbe Augenstellung haben. Es ist also nicht weiter verwunderlich, wenn Kaninchen anfangs zurückhaltend auf Menschen reagieren.
Dasselbe gilt auch für das Hochheben. Ein Kaninchen, das unvermittelt hochgehoben wird, erhält den Eindruck, in den Krallen eines Raubtieres gelandet zu sein und wird sich entsprechend heftig zur Wehr setzen. Es kann nicht unterscheiden, ob jetzt der Mensch, der nur Gutes will, hochhebt oder ob da nicht doch ein hungriger Raubvogel zugange ist. Man sollte also einem Kaninchen nicht allzu oft den festen Boden unter den Füßen wegnehmen.
Es kann sehr lange dauern, bis ein Kaninchen Vertrauen fasst. Eine meiner Häsinnen lebt seit sie ein Jungtier war bei mir. Sie ist jetzt 6 Jahre alt und erst jetzt, nach 6 Jahren, legt sie ihre Scheu mir gegenüber ab. Andere Kaninchen wie z. B. mein großes Stallkaninchen Samson brauchen dafür zwei Tage.
Und auch, wenn Kaninchen zutraulich sind, so bleiben sie doch ein Stück weit immer unberechenbare, nicht einschätzbare Tiere. Ein unbedachter Mensch kann sich so schnell böse Kratzwunden zuziehen oder gar gebissen werden. Dahinter steckt nicht immer Aggressivität oder Verteidigungsbereitschaft des Tieres, oft ist es einfach ein Versehen. Kaninchen sehen nicht besonders gut, da verwundert es nicht, wenn sie schon mal herzhaft in einen nach Karotte riechenden Finger beißen oder vor lauter Eile die fütternde Hand zerkratzen.
Um Kaninchen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen, gilt zu jeder Jahreszeit, besonders aber zu den vom Handel geschickt inszenierten Geschenkfesten Ostern und Weihnachten:
Keine Tiere, sondern Informationen schenken !!!!!
Machen Sie sich und Ihrer Familie in aller Ruhe klar, was es heißen wird, Kaninchen als Familienmitglieder zu haben. Informieren Sie sich umfassend, sprechen Sie mit langjährigen Haltern, fragen sie bei Tierärzten und in Tierheimen nach.
Lassen Sie sich nicht durch die dunklen Knopfaugen der Kaninchenkinder zu Ostern in den Zoohandlungen zu einem überstürzten Kauf verleiten.
Sind Sie sich schließlich sicher, dass Kaninchen genau die Tiere sind, mit denen sie ihr Leben teilen wollen, schauen Sie doch einmal in den Tierheimen in Ihrer Gegend nach. In erschreckend zunehmendem Maße warten dort Kaninchen aller Größen, Farben und Altersstufen auf ein neues, dauerhaftes Zuhause. Wie viele von ihnen waren wohl einmal Osterkaninchen und konnten den in sie gesetzten Erwartungen nicht gerecht werden?

