Vollständige Version anzeigen : krankes Meerschwein-wer hat Erfahrung mit OP
Vinny Vega
06.02.2007, 12:19
Hallo
mein Böckchen (wird im Mai 2 Jahre) fraß erst schlechter als sonst, wurde ruhiger und seit gestern abend geht's ihm ganz schlecht und er frißt wohl auch seit tagen nix mehr. Heute früh war ich beim TA und der stellte fest, das die Backenzähnchen über der Zunge zusammengewachsen sind, so das er garnicht mehr kauen kann. Er muss am Donnerstag morgen operiert werden. Was denkt ihr wie seine Chancen stehen, ich habe ihn schon mit der Spritze mit Critical care und einem Alete Gläschen (Karotte) gefüttert, er hat es gerne genommen und schön gegessen. Ich halte das für ein gutes Zeichen.
Hallo Vinny,
Zahnbrücke .... ein leider sehr häufiges Problem bei Meerschweinchen.
Wenn Dein TA weiß, was er tut und wenn er fit in der Anästhesie von Meerschweinchen ist, ist die OP nicht riskanter als andere Eingriffe. Lass Dich auf keinen Fall dazu überreden, Dein Schweinchen NÜCHTERN zum Eingriff zu bringen. Füttere es vorher ordentlich und sieh zu, daß es auch im Aufwachkäfig etwas zum schlabbern hat.
Je nach Charakter des Schweins wirst Du 1-2 Tage zufüttern müssen. Manche brauchen einfach eine Zeit, bis sie sich an das neue Gefühl im Mäulchen gewöhnt haben.
Auch jetzt bis zum OP-Termin fütter zu, schau, daß Du so viel wie möglich in das Schwein reinbekommst, je mehr er wiegt, umso besser verpackt er die Narkose.
Für die Zeit nach der OP gewöhn Dir einen regelmäßigen TÜV an, mit Frontzahnkontrolle (wenn die schief abgeschliffen sind, sind die Backenzähne auch schief) und v. a. regelmäßigem Wiegen. Damit merkst Du in der Regel sehr schnell, wenn an den Zähnen etwas nicht stimmt und kannst zum TA gehen, bevor das Schweinchen das Fressen einstellt.
Und mach Dir mal Gedanken, ob an Deiner Fütterung ggf. etwas optimiert werden sollte. Wie sieht's mit der Heuakzeptanz des Schweinchens aus?
Viele Grüße,
Alana
Die Chancen stehen sehr gut, das riskanteste ist allerdings die narkose. Meeries sind da sehr empfindlich.
Es könnte sein, dass du eine Weile mit Spritze und Brei füttern musst. Lass dich nicht entmutigen, wenn es nicht sofort wieder frisst. Wieg es schön und wenn es nicht abnimmt, geduldig weiter füttern. Das wird schon.:jo:
Am besten (wenn alles wieder in Ordnung ist) das Körnerfutter durch Heu, Äste von Obstbäumen, Gemüse ersetzen. Die Körner sind ungünstig für in Käfig gehaltete Tieren, weil es zu Energie reich ist und wenig Kauanreize gibt.
Und ganz wichtig: Mindestens alle paar Monate die Zähne kontrollieren (lassen), damit es erst gar nicht so weit kommt.
Viel Erfolg!
Vinny Vega
07.02.2007, 10:20
seit gestern füttere ich Critical Care sowie Alete Karottenbrei mit der Spritze, da er überhaupt nix fressen kann wegen dieser Zahnbrücke, er möchte ja gerne, aber er kann nicht. Erst haben wir ihm gestern stündlich kleinere Mengen gefüttert. Er war gestern morgen sehr schwach und hatte nur 35,2 Grad Körpertemperatur. Den vormittag habe ich ihn vor die Heizung gestellt, nachmittags das gesamte Wohnzimmer wärmer gemacht, es durfte kein Fenster geöffnet werden. Gestern abend war er schon deutlich fitter. Ich habe ihn auch heute nacht weiter mit Futter aus der Spritze versorgt und heute morgen kam er sogar wieder aus dem Häuschen und wollte frühstücken, ging natürlich nicht. Er nimmt das auch gut an mit der Spritze. Wenn er sein Mäulchen wieder leer hat geht er von sich aus an die spritze und. Das Zufüttern klappt ganz gut und ich hoffe, ihn noch weiter zu stabilisieren, auch ist seine Körpertemperatur wieder normal. Drückt mir ganz fest die Daumen, das alles gut geht.
Achso und zur Fütterung: Ja, ich lege auch Äste von Obstbäumen rein, ansonsten kriegen meine Schweine ausschließlich Frischfutter (also frisches Gemüse und gelegentlich Obst) und Raufutter (Heu, Stroh), 1x die Woche Körnerfutter.
Hallo Vinny,
nur Heizung rauf nützt nicht viel, dadurch trocknet die Raumluft aus und das greift wiederum die Atemwege an.
Es ist sinnvoller, wenn Du das Schweinchen zumindest zeitweise auf eine Wärmflasche setzt oder in ein extra Krankenabteil.
Ich hab für sowas eine spezielle Kiste, die im Krankheitsfall mit Wärmflaschen, Kirschkernkissen und alten Handtüchern ausgepolstert wird.
Warum hat Dein TA den OP-Termin denn auf Donnerstag gelegt? So eine Zahnbrücke ist ja schon eine ernste Angelegenheit und der Eingriff dauert auch nicht lange. Warum also noch über Tage warten? Oder war der Zustand des Tierchens schon so schlecht, daß Du erst aufpäppeln mußt?
Mein TA (Fachtierarzt für Heimtiere sowie Fachtierarzt für Tierzahnheilkunde) knipst Zahnbrücken teilweise auch ohne OP und Narkose ab, damit die Tiere wenigstens eingeschränkt fressen können. Wenn der Zustand dann wieder akzeptabel ist, wird operiert, damit die entstandenen Kanten und Zacken abgeschliffen (das geht unter Narkose nun mal deutlich entspannter) und eventuell aufgetretene Verletzungen im Maulbereich ggf. lokal antibiotisch behandelt werden können.
Es ist auf jeden Fall gut, wenn das Schweinchen von selbst fressen will. Diesen Überlebenswillen wird es noch nötig haben. Meine Erfahrung hat in den vergangenen 12 Jahren nämlich gezeigt, daß man ein Schweinchen, das noch fressen will, fast immer durchbekommt. Egal, wie miserabel der körperliche Zustand ist. Ein Schweinchen, das aber nicht mehr fressen will, bekommt man nur noch selten wieder hochgepäppelt, selbst wenn es körperlich gar nicht so schlecht da steht. Es ist verflixt frustrierend, wenn einem ein 1200g-Kawenzmann unter den Händen wegstirbt, weil es nicht mehr fressen möchte und das bereits von allen aufgegebene 400g-Knochengerippe mit einem unglaublichen Willen am Leben festhält.
Ich habe aktuell einen 9 Jahre alten Schweinemann, klapperdürr und wirklich am Ende seines Lebens. Er kippt ständig um, ist mittlerweile blind und kann wegen seines schwachen körperlichen Zustands nicht mehr in der Gruppe leben, aber er sitzt in der Krankenbox, mampft, was rein geht und quietzt nach Nachschlag, sobald er Schritte hört. Der kleine Opa will leben und wird es doch nicht mehr lange können.
Viele Grüße,
Alana
Vinny Vega
08.02.2007, 10:30
das Risiko war zu hoch, Marcellus musste stabilisiert werden. Die Gefahr, das er vor Schreck stirbt war ebenso hoch wie die Gefahr an der Narkose zu sterben, deshalb haben mein TA und ich uns dazu entschlossen, ihn erstmal zu stabilisieren. Die Maßnahme, das Wohnzimmer zu erwärmen, war deutlich klüger als das Schwein zu separieren. Er hat Lebenswille, will fressen und versucht sofern es ihm möglich ist, sich relativ normal zu verhalten. Hätte ich ihn getrennt irgendwo auf ein Heizkissen gehockt hätte er 100%ig resigniert und jede Futterannahme verweigert. Da hätte ich eine deutlich schlechtere Ausgangsposition als ich jetzt tatsächlich habe. Jetzt heißt es Daumen drücken. Heute mittag um 4 weiss ich näheres.
Hallo Vinny,
ich drücke die Daumen.
Übrigens separiere ich Krankschweinis nicht komplett. Ich habe ja Gehegehaltung, da packe ich die Krankenbox einfach mitten rein. So sind die Schweinchen immer noch in ihrer gewohnten Umgebung, haben aber doch mehr Ruhe wie direkt im Rudel.
Viele Grüße,
Alana
...am allerbesten ist es so, wie ihr das macht, wenn ihr eure Tiere gut kennt. Man kann die Zähne auch ohne Narkose abknipsen, aber eine "Grundsanierung" ist besser mit. Leider vertragen die Meeries die gängigen Medikamente manchmal bisschen schlecht. Das Problem beginnt in der Aufwachphase. Also nimm Dein Meeri erst mit, wenn es wieder wach ist. Aber wenn Du einen verantwortungsvollen Tierarzt hast, und das scheint er ja zu sein, gibt er Dir Marcellus sowieso nicht eher zurück.
Viel Erfolg!
Vinny Vega
22.02.2007, 17:31
Hallo Ihr lieben
nochmal danke für Eure Beiträge, wir sind fast verrückt geworden vor Sorge und das schlimmste ist, kein Mensch versteht das. Ich höre Kommentare wie, ist doch nur so ein Nagetier, für die Tierarztkosten hättest Du Dir 10 kaufen können. Vieleicht hätte ich mir zehn Schweinchen kaufen können, ABER DOCH KEINEN MARCELLUS, den gibt es doch nur einmal und wir hängen so an den Schweinchen. Wir haben zwar noch etwas Probleme mit dem Gewicht, er muss auch noch zugefüttert werden, trotzdem ist er fast der alte, frißt wieder und beschäftigt sich wieder mit seiner Umwelt. Trotzdem, bis er 100% auf dem Damm ist haben meine Schweinchen Hausarrest und müssen im Käfig bleiben, damit ich ihn genau beobachten kann. Ansonsten bewegen sich meine Schweinchen in den kalten Monaten frei in der Wohnung, wenn sie es wünschen, denn der Käfig bleibt auf. Marcellus musste sogar noch eine Nacht länger in der Klinik bleiben als geplant, bzw. hat die Assistenzärztin ihn mit zu sich nach Hause genommen, ist das nicht süß. Mittlerweile müssen wir auch nicht mehr täglich zum Arzt sondern nur noch wöchentlich und das gesamte Praxisteam freut sich jedesmal wenn Marcellus kommt. Er ist halt auch ein besonders netter Kerl. Seine Schwester Vinny war so einsam, das sie sich während Marcellus abwesenheit meinen Hunden angeschlossen hat. Die Hündin fand das ja lästig, der Rüde wurde gerade 18 und hat das garnicht geschnallt, nachts hat sie ihm dann auch noch die Schwanzhaare abgeknappert, dabei hat er doch sowiso nur noch ein paar Haare.
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